Sammlung

Die Sammlung des Tal Museums Engelberg wurde von Maria Amstutz (1915-1980) begründet. Sie war die letzte Bewohnerin und Besitzerin des heutigen Tal Museums.

Die Sammlung vereint Gegenstände der Engelberger Tal- und Alltagsgeschichte, der Volksfrömmigkeit sowie der Sport- und Tourismusgeschichte. Fotografien, Ansichtskarten, Plakate, Leidhelgeli und Filme bilden einen Schwerpunkt in der Sammlung des Museums. Im Tourismusort mit langjähriger Tradition ist das Erbe an Bildmaterial besonders gross. Das umfassende visuelle Kulturgut zu Engelberg entstand unter anderem durch eine Reihe einheimischer Fotografen, Grafiker und Filmemacher wie Willy Amrhein, Walter Kuster, Herbert Matter, Karl Meuser oder Jean Bechter.

Neueingänge 

Das Post Theresli (1831-1919) – Dichterin, Chronistin, Postbotin und liebenswürdiges Original.

Im Frühling 2015 durfte das Tal Museum zwei Schenkungen entgegennehmen. Es handelt sich um die Nachlässe der Theresia Waser, besser bekannt als „Post Theresli“ und des Joseph Kuster, Bergführer in Engelberg.

Der schriftliche Nachlass der Theresia Waser, der schreibenden und dichtenden Engelbergerin, die als erste Postbotin in Engelberg unterwegs war, befand sich bis anhin in privater Hand. Noch 1965 schrieb Felicitas von Rezniceck in ihrem Buch über Engelberg, der Nachlass dieses Engelberger Originales sei leider nicht mehr erhalten. Anfang der 1980er Jahre stellte sich heraus, dass Theresia Wasers schriftliche Überlieferungen noch existierten. Herr Heinz Waser-Briot, in dessen Besitz sich der gesamte Nachlass befand, stellte Pater Georg Dufner alle Dokumente zur Verfassung des Engelberger Dokumentes Nr. 16 (1984) über die erste Postbotin Engelbergs zur Verfügung. Pater Georg Dufner ist es zu verdanken, dass die Schriften der 1919 verstorbenen Theresia Waser publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Er transkribierte und ordnete alle Schriften und stellte den Lebenslauf Theresia Wasers zusammen.

Theresia Waser bekundete schon als kleines Mädchen Interesse am Lernen, am Lesen und Schreiben. Bereits als 12-jährige schrieb sie Erinnerungen und Gedanken auf. Zeit ihres Lebens blieb die wissbegierige Engelbergerin Schreiberin, Dichterin, Chronistin. Von 1838 bis 1913 verfasste sie eine lückenlose Aufzeichnung aller Todesfälle in Engelberg. Interessant in diesem Zusammenhang sind die vielen erwähnten Engelberger Über- und Herkunftsnamen (der Hegmatt Hansisepp, des Kilchbüel Toni Toneli, das Weid Theresli etc.). Über 16 Jahre hinweg (1897-1913) entstand zudem eine Wetterchronik, in der die über 70-jährige Theresia Waser ohne Ausschmückungen die Wetterphänomene festhält „Viele Wolken, heisse Sonne, dunkel bewölkt, Regentropfen“. Ausschmückungen, Reime und poetische Gedanken reserviert sich Theresia Waser für ihre unzähligen Gedichte, niedergeschrieben in 10 Heften.

1871 - mit 40 Jahren wurde Theresia Engelbergs erste Briefträgerin. Dazu meint sie lakonisch: „Der Verdienst dabei war klein, aber doch nicht kleiner als beim Stricken.“

1919 stirbt sie im Alter von 89 Jahren in Engelberg und hinterlässt ein bis heute beeindruckendes wie auch amüsantes Stück Engelberger Geschichte.

 Vom Titlis bis nach Alexandria – die Führerbücher des Joseph Kuster (1859-1943)

Vom Schreiben und Dichten zum Bergsteigen und Reisen: Der Nachlass des 1859 geborenen Joseph Kuster umfasst nebst Fotografien und Bergsteigerutensilien zwei Führerbücher sowie diverse lose Zeugnisse und Bescheinigungen seiner Touren. Während rund 50 Jahren kamen so ca. 300 Toureneinträge - verfasst von seiner Kundschaft - zusammen.

Joseph Kusters erstes Führerbuch beginnt im Jahr 1877 – in seinem 18. Lebensjahr. Er führt einen gewissen G.H. Freund, „Dr. phil aus Berlin“ zuerst auf den Titlis, auf den Urirotstock (Erstbesteigung!), dann auf eine achttägige Tour von Engelberg ins Tödigebiet mit Besteigungen u.a. des Piz Russein, Tödi und Porta da Spescha. Bis ins Jahr 1894 führt Kuster vornehmlich deutsche, schweizer, englische und französische Gäste in die Gebirge der Zentralschweiz, des Engadin, Berner Oberlandes, Wallis bis nach Chamonix und auf den Mont Blanc.

Mit 21 Jahren unternimmt Kuster mit seinem Stammgast „G.H. Freund“ aus Berlin gar eine abenteuerlich anmutende, 10-monatige Reise über Italien nach Kairo und Alexandria. Es folgen Touren nach Assuan und ans Rote Meer bis in die lybische Wüste. Weiter führt die beiden der Weg über Kreta in die lybische Hafenstadt Benghasi. „Von Benghasi machten wir eine 18tägige Rundreise durch das Cyrenaica und reisten dann in 28 Tagen (...) nach Tripoli. Inzwischen war der  Krieg zwischen Franzosen und Arabern ausgebrochen, der eine weitere Reise an die Nordspitze Afrikas unmöglich werden liess (…).“ Somit entschieden sich die Reisenden, nach Engelberg zurückzukehren, wo sie am 23. Juli 1881 eintrafen. Interessant ist Freund’s Kommentar zu den Qualitäten des Engelbergers Kuster als Reisebegleiter: „Auf dieser Reise in Afrika hatte ich an Joseph Kuster einen ehrlichen, treu ergebenen Reisebegleiter, den ich für ähnliche Reisen bestens empfehlen kann. Er wusste sich in jeder Lage zu helfen und war bei Christen und Muhammedanern gern gesehen.“ Diese Reise stellte für den jungen Bergführer sicher eine aussergewöhnliche Erfahrung dar. Zurück in Engelberg wandte sich Kuster wieder den etwas alltäglicheren Touren zu. Meist unternahm er mit seinen Gästen ein- oder mehrtägige Touren auf den Titlis, das Grosse und kleine Spannort, den Hahnen, die Wendenstöcke, Engelberger und Urirotstock etc. Es folgen in diesen Jahren aber auch immer wieder Erstersteigungen neuer Routen: so 1884 die Route Hofad-Galtiberg-Titlis, 1885 die neue Route auf den grossen Wendenstock, 1887 Spitz-Mann, Schyegg und Sättelistock, 1888 Erstbesteigung der Adlerspitze beim Grossen Spannort, 1889 des Reissend Nollen und viele mehr. Kusters zweites Führerbuch beginnt am 22. Juli 1895 und endet am 13.9.1914. Dr. H.H. Kupper, ebenfalls ein Gast, der mit Kuster über Jahre hinweg viele Touren in den Schweizer Alpen unternimmt, schreibt diesen ersten Eintrag im neuen Führerbuch „Am 9. Juli bin ich allein mit Kuster gegangen, um die erste Besteigung des höchsten Gipfels des Wichelplankstocks (auf der Karte markiert als M 2976 hoch) zu unternehmen. Wir gingen von Engelberg übers obere Wendenjoch, Grassen und kamen dann von der Westseite auf den Gipfel. Wir fanden keine Spur, dass er früher schon bestiegen war. Das letzte Stück war furchtbar steil und gefährlich wegen lockeren Gesteins. Ich glaube, dass diese Besteigung zu den schwierigsten Partien gerechnet werden kann, welche es in Engelberg giebt. Ich habe diesen Gipfel Kusterspitze genannt; mein treuer Führer, der schon mehrere Gipfel zum ersten Male erstieg, hat es wohl verdient, dass eine Spitze in Engelberg seinen Namen trägt (…).”

Am 21. Januar 1904 besteigen Willy Amrhein und Joseph Kuster  wohl als erste den Titlis mit Skiern – Amrhein beschreibt die Tour im Clubbuch des 1903 neu gegründeten Ski Club Engelberg. Drei Jahre später erbaut Kuster das heutige „Eden“. Es gäbe noch unzählige Touren und Erlebnisse dieses für Engelberg bedeutenden Bergführers zu erwähnen. Kuster ist wohl bis ins hohe Alter als Bergführer unterwegs gewesen – davon zeugen Fotografien auf diversen Gipfeln in den 1930er Jahren. 1943 stirbt Kuster im Alter von 94 Jahren.