Haargenau! Eine Ausstellung über das Haar in der Kunst.

Haarig, haarsträubend, Haarspalterei, haargenau, Haare auf den Zähnen, enthaart, behaart, haarscharf, ein alter Zopf, Wir haben unser Ziel um Haaresbreite verfehlt, am Schopf gepackt!, um ein Haar, mit Haut und Haar, an den Haaren herbeigezogen….

Haare galten im 18. Jahrhundert als Sitz der Lebenskraft. Man glaubte, diese Kraft über den Tod hinaus konservieren zu können, indem man die Haare noch zu Lebzeiten abschnitt. Diese Ansicht führte dazu, dass kunstvoll geflochtene Haare vor allem zur Zeit des Biedermeier als ein sehr persönliches Geschenk wahrgenommen wurden – es entstand die sogenannte Haarkunst. Um Erinnerungen an geliebte Personen – über Distanzen und über den Tod hinaus – zu bewahren, war die Haarkunst als Liebesbeweis und Totengedenken beliebt. Broschen, Bilder oder Sturzgläser mit Haaren konservierten die Erinnerung an den ursprünglichen Träger und bewahrten sie damit vor dem Vergessen.

Heute ist diese Art Memorialkultur aus Menschenhaar kaum noch bekannt. In der Sammlung des Tal Museums befinden sich einige solcher kunstvoll gearbeiteten Haarbilder. Sie und zahlreiche Leihgaben aus Innerschweizer Museen bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung «Haargenau!».

Schmuck und Bilder aus menschlichem Haar faszinieren und irritieren. Diese beiden Umstände nutzen Künstlerinnen und Künstler heute noch/wieder in ihren Arbeiten. Die Ausstellung «Haargenau!» möchte auf die faszinierende Tradition des Schmuck- und Flechthandwerks aus Haar eingehen, aber auch den Schritt ins hier und jetzt wagen. Die in der Ausstellung vertretenen KünsterInnen wenden sich einerseits der akkuraten und fast vergessenen Technik zu, andererseits der Körperlichkeit und Schönheit des Materials.