Anton Reckziegel (1865-1936). Reklamekunst und Reiseträume.

Am 9. Dezember 2017 eröffnet das Tal Museum die Ausstellung über den Plakatkünstler Anton Reckziegel (1865-1936). Reckziegel war um 1900 der bekannteste Plakatmaler der Schweiz. Durch farbenprächtige Plakate, Ansichtskarten, Prospekte und Panoramen trug er wesentlich zur Entwicklung der Werbung bei und prägte Vorstellungen von typisch schweizerischen Landschaften. Für Engelberg stellen Reckziegels Werke gleichsam den Anfangspunkt einer lange währenden Werbetradition in Plakaten dar. Die historischen Plakate Reckziegels werden den Plakatentwürfen der Studierenden der Visuellen Kommunikation der Hochschule der Künste Bern HKB gegenübergestellt.

Berge und Bahnen unter blauem Himmel symbolisieren seit Beginn der touristischen Werbung vor 150 Jahren das Reiseland Schweiz. Kaumein Reklamekünstler prägte dieses Bild stärker als der Maler und Lithograf Anton Reckziegel. Mit über 90 Plakaten besitzt das Alpine Museum der Schweiz den grössten Bestand seiner Arbeiten aus der Frühzeit der Plakatkunst.

Für die Ausstellung, die vom Alpinen Museum in Bern konzipiert wurde und ab dem 10. Dezember im Tal Museum gezeigt wird, haben sich Studierende der Hochschule der Künste Bern mit dem Werk Reckziegels auseinandergesetzt und Neuentwürfe zu einer Auswahl an Reckziegel-Plakaten gestaltet. Die Ausstellung zeigt die Originale Reckziegels und ihre zeitgenössischen Pendants.

Reckziegels Werk ist umfassend, seine gestalterischen Umsetzungen prägen das Werbebild der Schweiz um 1900. Die „Belle Epoque“ verlangte nach Bildern, die das Reiseland Schweiz repräsentieren. Dieser Nachfrage kommt Reckziegel in vielfältiger Manier nach. 1893 steigt der in Gablonz (heute Jablonec, Tschechien) gebürtige Reckziegel in Aarau aus dem Zug, um bei Müller & Co., einer «Kunstanstalt», als Werbezeichner anzufangen. Reckziegel schafft hier Bildvorlagen für Drucksachen nach den Vorstellungen des Auftraggebers und den Ansprüchen seines Betriebs. Damit liefert er dem Tourismus den dringend nötigen Rohstoff.

Fünf Jahre später zieht Reckziegel dann weiter nach Bern, als Chefzeichner der neu gegründeten Lithographischen Kunstanstalt Hubacher & Biedermann. Hier entwirft er Plakate, Postkarten und Prospekte. Vor allem mit seinen Plakaten macht er sich schnell einen Namen. Heute gilt er als Wegbereiter der Werbegrafik und als einer der erfolgreichsten Entwerfer schweizerischer Reiseplakate in der frühen Phase dieses Reklamezweigs.

Für die Stansstad-Engelberg-Bahn und für Engelberg wirbt der umtriebige Gestalter ab 1899. Diese Plakate, die die Elektrische Bahn in eine dramatische, von hohen, schneebedeckten Bergen und wild-romantischen Schluchten dominierte Landschaft einbetten, bilden den Anfangspunkt einer kontinuierlichen Reihe von Plakat der Reisedestination Engelberg. Mit Künstlern wie Willy Amrhein, Otto Ernst, Herbert Matter, Karl Meuser oder Martin Peikert findet diese ihre prominente Fortsetzung.  

Die Ausstellung im Tal Museum gibt einen Einblick in das schweizweite Schaffen Reckziegels. Die Ausstellung schlägt durch die Präsentation der Werke Reckziegels im Austausch mit den zeitgenössischen grafischen Entwürfen den Bogen bis in die Gegenwart.

Begleitend zur Ausstellung ist im Verlag Scheidegger und Spiess die Publikation « Reklamekunst und Reiseträume » erschienen. Auf 150 reich illustrierten Seiten gibt sie Einblick in das Leben und Wirken Anton Reckziegels und in die Frühzeit des Tourismusplakats.